Das Slow Grow Prinzip

von Joana Schulz

Das Buch ist von 2013 - für Gründer, die schon einige Jahre auf dem Markt sind, aber immer noch gültig

Als ich das Buch las, dachte ich oft, Frau Hofert schreibt über mich und mein Unternehmen. In dem Untertitel des Buches von Svenja Hofert heißt "Lieber langsam wachsen als schnell untergehen". Wenn man ein Sachbuch liest kann man nicht immer alles unterstreichen, was man liest, aber ins diesem Fall, spricht Frau Hofert mir in vielen Kapiteln aus dem Herzen.

Sie nimmt in ihrem Buch Gründern den Druck mit einem Businessplan, der in der Regel für Handelskammern und Banken geplant wird und meist Fantasiezahlen enthält, zu starten. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ein Berater der Handelskammer erst sagte, dass er für eine aussagekräftige Beratung einen Businessplan benötigte und als ich diesen vorgelegte, mir von ihm wortwörtlich gesagt wurde: "Warum haben Sie denn den 1.000sten Büroservice gegründet? Gründen Sie doch etwas Innovatives."

Ich bin eine hervorragende Office Managerin und Assistentin, aber eben keine Ingenieurin, die neue Techniken für erneuerbare Energie entwickeln kann. Darum war es ein Büroservice!

Zum anderen fühlt man sich nach dem Lesen des Buches als langjährige Einzelkämpferin, die mehr als 10 Jahre gebraucht hat, um aus dem Status Einzelunternehmerin herauszukommen, nicht mehr als unfähige Unternehmerin und Versagerin, die nicht von Anfang an groß gegründet hat und auch nicht in den ersten drei Gründungsjahren alle vorstellbaren Ziele erreicht hat.

Am Anfang meiner Selbstständigkeit wurde mir gesagt, wer klein gründet, bleibt auch klein. Und das klang wie ein Vorwurf. Frau Hofert schreibt, dass sie die Erfahrung als Beraterin gemacht hatte, dass das häufig auch gar nicht anders gewünscht wäre.

In dem Buch wird aufgezeigt, wie man als Mikrounternehmen erfolgreich sein kann: Ohne Planung dafür mit Erfahrung.

Und genauso war es bei mir: Ich habe im Jahr 2000 mit der Idee gegründet, Büros aufzuräumen und Ablagen zu strukturieren. Durch meine Gründungsberatung wurde mir empfohlen, dafür ein Seminar zu entwickeln. Dieses würde dann automatisch Kunden nach sich ziehen. Außerdem sollte ich Marktforschung betreiben, die aussagte, dass ein Großteil von den von mir befragten Mikrounternehmen, Bedarf an solchen Dienstleistungen hatten.

Ich gab dieses Seminar nicht ein einziges Mal und habe in den vergangenen 18 Jahren ca. fünf Firmen zu Ablagestrukturen beraten. Stattdessen gründete ich, hatte drei Monate keinen Auftrag und dann kam eine Anfrage von einer Netzwerkpartnerin, die eine Interimssekretärin für sechs Monate suchte. Ich überlegte nicht lange und ergriff meine Chance. Ich war daraufhin sieben Jahre lang erfolgreich selbstständige Interimsassistentin und vertrat Abteilungssekretärinnen, Geschäftsleitungs- und Vorstandsassistentinnen in kleinen, mittelständischen Unternehmen und Konzernen. Dann kam die Finanzkrise und meine großen Kunden entließen die externen Mitarbeiter. Kein Businessplan hätte mich darauf vorbereitet. Und auch dies vertritt Svenja Hofert in ihrem Buch.

Ich musste eine Lösung finden und diese kam eben auch völlig ungeplant: durch einen Anruf meiner ehemaligen Mitschülerin Isabel García und von da an hatte ich einen Büroservice für Trainer, Berater und Redner.

Das Buch rückt ein Bild gerade, dass vielen Gründern immer gezeichnet wird und das viele Einzelunternehmer in sich tragen.  Mir selbst ist vieles schon von allein aufgegangen, da meine Selbstständigkeit in den vergangenen 18 Jahren aus Plänen bestand, die nicht erfüllt wurden und aus Chancen, die erfolgreich ergriffen wurden.

Dennoch kann ich das Buch auch Einzel- und Kleinunternehmen empfehlen, die damit vielleicht eine Bestätigung bekommen, doch alles richtig gemacht zu haben.

Das Slow Grow Prinzip
Svenja Hofert
Gabal 2011
ISBN 978 86936 236 6
€ 24,90

www.svenja-hofert.de
karriereblog.svenja-hofert.de

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